Neue Abenteuer

Zwölf Jahre ist es her, da stand ich als Zaungast am Ring und dürfte mein erstes VLN-Rennen live erleben. Da war EiFelkind Racing auch gerade am Entstehen. Als ich meinen Kaffee trinke, denke ich an die Zeit. An das erste mal, als ich Uwe kennengelernt habe. Das erste RCN-Rennen, das ich als Fotograf begleitet habe. Die ersten NLS-Einsätze. Das erste mal 24h-Rennen. Was heute daraus geworden ist, ist kaum zu glauben. Aus dem Papagei ist ein GT4-Cayman geworden. Die V4-Meisterschaft letztes Jahr nur knapp verpasst. Desirée hat die Ladies‘ Trophy gewonnen. Tim, der als Mechaniker angefangen hat, ist in dem Porsche-Fahrer Talent-Pool aufgenommen worden. Gewiss war ich nicht bei jedem Moment mit der Kamera dabei, doch Tausende von Bildern später kann ich sagen, da bin ich ein Stück damit mitgewachsen.

Heute feiert das Team Premiere. Das erste mal in der PETN mit einem GT4-Auto. Und ich dabei. Diesmal offiziell als Teamfotograf mit Saisonakkreditierung. Sie sind fast zur Gewohnheit geworden, die Renntage am Ring, doch das Herz schlägt ein Stückchen höher, als ich mich auf dem Weg mache. Es ist dunkel, die Autobahnen angenehm leer und es warten neue Abenteuer. Als ich Köln passiere, färbt sich der Himmel im Osten knallorange. Ein Vorbote eines schönen Tages? Bestimmt, auch wenn die Wettervorhersage für die Eifel was anderes sagt.

Fast schon viel zu schnell komme ich am Ring an. Auto parken. Ticket und Media-Weste abholen, dann ab zu EiFelkind. Box 13 hat in der Vergangenheit dem Team bei so manchem Rennen Glück gebracht. Das Ankommen fühlt sich an, als wäre das letzte Rennen vor einer Woche gewesen. Man kennt sich, man macht Witze, man hat Spaß zusammen. Die Winterpause scheint wie verschwunden zu sein. Nach dem Crash im Training am Freitag ist die Box nicht so voll, es steht nur der Cayman da. An die Ansicht muss ich mich erst einmal gewöhnen. Maurice, der als Strategiespezialist für den V4 zuständig gewesen wäre, witzelt darüber, dass er heute arbeitslos wäre. Man muss es den EiFelkindern lassen, die wissen es, so eine Situation auch mit Humor zu nehmen. Ich mache mich an die Arbeit.

Die Speicherkarte füllt sich, während man immer wieder auf jemanden trifft, den man seit der Teamfeier im Januar nicht gesehen hat. Man wechselt ein Paar Worte und weiter geht’s. Das Qualifying steht an. Dank Akkreditierung dürfte ich in jede Box und die leckersten Bilder machen. Vom neuen Mustang GT3 zum Beispiel. Nix da, ich bleibe bei EiFelkind. Das Team kommt an erster Stelle.

Zum Qualifying beziehe ich Stellung an der AMG-Arena. Jetzt muss ich mir bloß merken, nicht nach dem Papagei, sondern nach einem schwarzen Cayman Ausschau zu halten. Klappt. Die ersten Bilder sind im Kasten. Dank der neu gewonnenen Freiheit komme ich in dem Genuss, ein Paar neue Fotospots auszuprobieren. Die meisten klappen sehr gut. Ich freue mich, auch wenn die Anzahl der Bilder eine lange Nacht beim Aussortieren verheißt. Zum Glück ist das Qualifying zu Ende, bevor die Speicherkarte voll ist. Ich schlendere zurück zur Box.I

In der Box ist man guter Laune. Für den ersten Einsatz des neuen Autos hat man sich auf einem respektablen Rang qualifiziert. Ich fange es in ein Paar Bildern ein und treffe Devid, den ich seit dem 24h-Rennen nicht gesehen habe. Devid dreht eine Dokumentation zu EiFelkind. Er hat eine bestimmte Videoeinstellung im Kopf und fragt mich nach einer geeigneten Stelle an der Strecke. Wir diskutieren kurz, checken die Sperrgebiete auf der Karte ab und beschließen, es zuerst mit dem Sprunghügel zu probieren. Währenddessen wird das Auto aus der Box geschoben und rollt wenig später zur Startaufstellung. Nachdem er durch den Ausfall des V4-Autos „arbeitslos“ geworden wäre, ist Michael Fischer kurzfristig auf dem Cayman als dritter Fahrer gemeldet worden. Ein Nordschleifen-Routinier, der auch mit leistungsstärkeren Autos Erfahrung hat. Das wird dem Team gut tun.

Die Startaufstellung schenke ich mir. Stattdessen fahren wir mit Devid zum Brünnchen und wandern von da Richtung Sprunghügel. Wir sind rechtzeitig zur Einführungsrunde da. Das Herz schlägt höher. Als das Rennen losgeht, geht es mit der gewohnten fotografischen Routine los. Draufhalten, mitziehen, abdrücken. Zigmal hintereinander. Wie immer zu Beginn der Saison, bin ich arg aus der Übung. Macht nichts, der elektronische Verschluß und die Bilderfrequenz werden es schon richten.

Der Sprunghügel ist abgefrühstückt und es geht mit weiteren Locations aus. Die Kuppe vor dem Sprunghügel klappt nur mäßig, die Eiskurve schon besser. Dank des großen orangenen Sponsorenaufklebers auf dem Kofferraumdeckel ist der Cayman zum Glück von Weitem zu erkennen, so kann ich länger draufhalten und gute Bilder erwischen. Als Bruch mit meiner üblichen Routine versuche ich es mit Brünnchen und Wippermann. Klappt immer besser.

Ich schaue auf die Uhr. Es ist weit nach drei. Wo ist nur die Zeit geblieben? Die Antwort geben mir über 6000 Bilder auf der Speicherkarte. Devid hat seine Videos gedreht, so fahren wir zurück zum Fahrerlager. In der Box erfahre ich, daß das Auto gut im Rennen liegt. Michael Fischer fährt den letzten Stint. Ich halte die Stimmung in der Box fest. Ein Hauch von Anspannung liegt in der Luft. Ist auch verständlich.

Als der Zieleinlauf kommt, bricht an der Boxenmauer Jubel aus. Geschafft! Platz 38 insgesamt, siebter von achtzehn Startern in der Klasse und Platz 4 in der Klassen-Amateurenwertung. Das kann sich sehen lassen! Mehr als nur ein Achtungserfolg. Ich freue mich.

Viel später zuhause kommt die Zeit zum Reflektieren. Wo waren wir vor dreizehn Jahren, wo sind wir jetzt? Vom Zaungast, der sich an seine ersten Nordschleifen-Mitzieher versucht, bin ich Teamfotograf geworden. EiFelkind Racing ist jetzt ein GT4-Team. Während ich bei mehr als 6000 Fotos den Ausschuss aussortiere, kommen mir immer wieder Erinnerungen an all die Jahre. Wir sind alle daran gewachsen. Wie Michael Fischer sagte, im GT4-Sport wird die Luft dünn, doch ich bin zuversichtlich, wir werden auch weiter wachsen.

Zeit für neue Abenteuer.

Eine Antwort

  1. Toll, Toma
    Ich hab jetzt, beim frühstücken, die Ruhe und die Zeit mir alles anzugucken.
    Es macht einfach Spaß das Wochenende noch einmal Revue passieren zu lassen, Zu reflektieren. In Bild und Schrift.
    Danke für deine Mühe und deine Zeit
    Wir sehen uns am Ring in vier Wochen
    Bis dahin beste Grüße
    Lars

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