Es geht weiter

Man weiß am Morgen nie, was ein Tag so bringen mag. An das schwere Aufwachen habe ich mich gewöhnt, zum Ausgleich ist es glücklicherweise ein wunderschöner Aprilmorgen. Frisches Wetter, gerade noch warm genug, um den Kaffee auf dem Balkon zu trinken, bevor es zum Ring geht. Auf dem Weg dahin wechseln sich die grelle Aprilsonne und Nebelfelder ab. Wunderschönes Wetter, was einen schönen Tag verheißen könnte. Ich hoffe es. Bin früh da, so kann ich in Ruhe wen ich auch immer vom Team sehe, begrüßen und mir noch ein kleines Frühstück im Teamzelt gönnen. Gleichzeitig packe ich die Kamera aus und mache mich an meine eigentlichen Aufgaben. Bei einem Motiv passe ich jedoch – Dennis sieht aus wie von einer Dampflok umgefahren worden. Nee, lieber keine Fotos.

Anscheinend liegt Nebel auf der Strecke, der Start des Qualifyings verzögert sich. Gute Gelegenheit, sich in der Box umzuschauen. EiFelkind setzt heute zwei Autos ein, als drittes steht noch der über den Winter neu aufgebaute „Papagei 3“ in der Box. Die Namen der Fahrer auf dem V4-BMW sagen mir nichts. Ich hoffe, sie haben genug Erfahrung, um den Wagen heile ins Ziel zu bringen. Währenddessen geht es endlich los mit dem Qualifying. Die Wagen rollen aus der Box und raus auf die Strecke. Ich denke an den gestrigen Freitag, als das freie Training dreimal mit der roten Flagge abgebrochen wurde. Weiß zwar nicht, was genau passiert ist, aber Uwe erzählt was von einem fünffachen Überschlag, autsch! Aber das ist auch Motorsport.

Nach einer Woche mit vier Diensten bin ich immer noch etwas matt, daher gehe ich nicht auf die Strecke zum Qualifying. Stattdessen versuche ich, den Trubel in der Box beim Reifen- und Fahrerwechsel festzuhalten. Klappt gut. Währenddessen steigt die Sonne auf und das Wetter wird nach dem Regen der letzten Tage immer schöner. Meine Laune bessert sich, die Speicherkarte füllt sich mit Bildern und beim Team scheint man guter Dinge zu sein, auch wenn das Qualifying eher durchwachsen ausfällt. Motorsport eben. Man kann sie nicht alle gewinnen.

Zeit für die Startaufstellung. Ich belasse es bei wenigen Bildern, bevor ich mich auf dem Weg mache. Heute habe ich vor, ein Paar neue Locations auszuprobieren. Der weg dahin ist beschwerlich. Querfeldein durch den Wald und angekommen, stelle ich vor, dass ich Gegenlicht habe. Macht nichts, was wäre das Leben ohne eine Herausforderung? Kamera aufbauen, mitziehen, abdrücken. Routine, nur eins fehlt. Während der Cayman mehrmals an mir vorbeirauscht, ist von dem V4-BMW keine Spur. Mir wird es ein wenig mulmig. Was mag wohl passiert sein? Die Frage nagt ein Bisschen.

Von Hocheichen (auf der „falschen“ Seite) ist es ein längerer Fußmarsch bis nach Hatzenbach, aber da kenne ich mich wenigstens aus. Wieder erwische ich gute Bilder von dem Cayman, während der BMW fehlt. Das schafft Gewissheit – es ist entweder ein größerer technischer Defekt oder ein Unfall. Mit genug Bildern auf der Speicherkarte mache ich mich auf dem Weg zurück zum Fahrerlager.

Als ich ankomme, sieht Dennis viel besser aus als heute morgen. Wenigstens eine gute Entwicklung, während der Cayman in der Box steht. Ungewöhnliche Ansicht, und keine schöne. Ich frage Christian. Irgendein Elektronikproblem mit dem Getriebe. Echt ärgerlich, besonders nach der Aufholjagd, die Tim hingelegt hat. Habe Angst, mich nach dem BMW zu erkundigen, doch ich tue es. Christian beweist sinn für Humor. „Frag mal den“, zeigt er auf einen der Fahrer, „der wollte aus dem einen Compact machen, ist hinten eingeschlagen“. Wäre es nicht so ärgerlich, hätte ich gelacht. Ich hoffe, der Schaden ist nicht so gravierend und unterhalte mich kurz mit dem Unglücksfahrer. Zum Glück ist ihm beim Einschlang nichts passiert. Das ist das Wichtigste.

Währenddessen ist der Abbau vom Teamzelt voll im Gange. Alltägliche Verrichtungen an einem Renntag, ungeachtet vom Ergebnis. Es gibt heute keinen Jubel an der Pitwall, keine Pokale. Man könnte darüber sinnieren, wie viel Pech man gehabt oder es besser sein lassen. Freud und Leid liegen nicht nur im Motorsport so nah beieinander und das einzige, was man tun könnte, ist, sein bestes zu geben.

Das einzige, was man sicher weiß, ist der Termin des nächsten Rennens in zwei Wochen. Mit einem NLS-Rennen und den 24h-Qualifiers wird der Mai ein heißer Monat. Ob bis dahin der BMW wieder flottgemacht wird? Wie wird es dann laufen? Keiner weiß es, doch eine Sache ist klar.

Es geht weiter.

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