Schnee

Eigentlich bin ich ein Veteran, und trotzdem ist es immer wieder schön, zum ersten Rennen der Saison in die Eifel aufzubrechen. Man freut sich auf neues, auf das Wiedersehen und auch einfach darauf, dass die Saison wieder losgeht. Heute morgen ist es aber auch ein Aufbruch ins Ungewisse. Temperaturen kann über dem Gefrierpunkt, auf der Autobahn Regen und Gischt. Je mehr man dem Ring näher kommt, desto mehr sieht man schneebedeckte weiße Bäumem als wäre es Weihnachten. Ein Rennen bei dem Wetter? Abwarten. Aus den Boxen Lana Del Rey, „Hope is a dangerous thing to have“. Ja, Hoffnung haben kann auch gefährlich sein.

Alles andere ist Routine. Am Ring ankommen, Media-Ticket abholen, Weste drauf und ab ins Fahrerlager. Von weitem erspähe ich die EiFelkind-Fahne vor Box 17. Endlich zuhause. Das Eifelwetter ist mir für einen Moment egal, es gibt ein warmes Wiedersehen mit Freunden und heißen Kaffee. Doch zuerst gehe ich in die Box und schaue mir das neue Auto an.

Neu ist es nicht wirklich, und trotzdem. Wenn ich mich umschaue, hat sich viel verändert. Man sieht neue Gesichter, man sucht alte vergebens. Das Auto glänzt in dem altbekannten Papagei-Design, nur die Farben sind anders. Neue Sponsoren. Man spürt, wieviel Arbeit in der Winterpause in dem Ganzen geflossen ist. Man geht mit der Zeit oder man geht und die Gezeiten sind im Motorsport unvorhersehbar.

Während ich den schwarz-orangenen Papagei bewundere, fallen mir jede Menge neue Sponsorennamen auf. Ein Aufbruch in eine neue Zeit? Nicht wirklich, denn die DNA des Teams hat sich nicht verändert. EiFelkind, das ist Familie, das ist Zusammenhalt, das ist Willkommensein. Das bleibt auch, über alle Namen hinweg. Ich könnte mir nicht vorstellen, für ein anderes Team zu arbeiten und nicht nur mir geht es so. Da bin ich mir ganz sicher.

Beim Wetter dagegen ist sich keiner sicher. Schnee auf der Strecke, kalter Asphalt, Nebel. Die Boxenampel ist rot. Nächste Information um 10.20 Uhr. Ich schaue auf die Uhr, kaum neun. Zeit für Kaffee, Frühstück und ein Paar Gespräche. Mein Bauchgefühl wird bestätigt – EiFelkind hat sich weiterentwickelt, und das ist nicht zuletzt der einzigartigen Atmosphäre und dem EiFelkind-Gefühl zu verdanken. Man hält zusammen, ist froh und glücklich und brennt darauf, sich den Herausforderungen zu stellen. Als Familie.

Die einzige Herausforderung heute soll das Wetter bleiben. Die 10.20 Uhr-Deadline verstreicht ohne Information von der Rennleitung. Wenig später erscheint auf dem Datenmonitor dann: „NLS 1 cancelled“. Abgebrochen. Fast im gleichen Augenblick setzt im Fahrerlager eisiger Wind und Schneeregen ein. Gemischte Gefühle beim Team, wie immer in so einem Moment. Doch insgeheim ist man auch ein Stück froh. Das nächste Rennen ist in einer Woche, da täte ein Unfall, wie es heute hätte passieren können, ganz schön weh. Ich selbst könnte mich um die verpasste Möglichkeit spektakulärer Rennaufnahmen ärgern, doch es überwiegt die Realisierung, dass ich mir darum nicht den Ar$ch an der Nordschleife abzufrieren brauche.

Ich muss am nächsten Tag arbeiten, daher verabschiede ich mich schnell von dem Team und machte mich auf dem Weg nach Hause. Während ich mich durch den Abreisestau quäle, höre ich wieder Lana Del Rey. Diesmal ist es „Lust for Life“.

Treffender kann man das Teamgefühl nicht beschreiben.

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