Das EiFelkind-Gefühl

Es gibt Tage, auf die man ein ganzes Jahr hin arbeitet und die den Alltag vergessen lassen. All die Müdigkeit, die Nachtdienste und der Frust sind vergessen, als ich mich an diesem Tag am Ring einfinde. Es ist noch nicht der große Push, trotzdem spüre ich ein Kribbeln im Bauch und selbst die Tatsache, dass ich einen Parkplatz ganz abseits bekommen habe, ist vergessen.

24h-Rennen. Eine Woche Höllenarbeit und Stress für das Team, und ich (wieder mal) mittendrin. Einer dieser Tage, die einen alles vergessen lassen und an denen sich selbst der widrigste Job irgendwie gut anfühlt. Rauf ins Media Center, Weste und Parkausweis abholen, dann geht es zum Team. EiFelkind steht schon in den Startlöchern an diesem Donnerstag. Zwei Qualifyings stehen auf dem Programm. Ich hole mir einen Kaffee und Frühstück im Teamzelt. Wieder ist es da, dieses EiFelkind-Gefühl. Auf den Autos stehen mir weniger bekannte und unbekannte Namen, und die bekommen jetzt Gesichter. Dan Berghult, der eigentlich in der NLS für die Konkurrenz von Keeevin Sports&Racing fährt. Ryusuke Masumoto, der Japaner. Weitere Namen. Alle grüßen freundlich und unterhalten sich mit mir, als ich mich als Teamfotograf vorstelle. Motorsport zum anfassen, so nah und freundlich. Der EiFelkind-Geist.

Es ist auch diesem Geist zu verdanken, daß die Hospitality Area des Teams voller ist als sonst. Verwandte, Bekannte, Freunde, alle wollen dahin. Ich habe aufgehört zu zählen, wie viele Jahre ich schon das Team begleite, von den bescheidenen Anfängen in der RCN bis zum GT4. Diese eine Sache hat sich nie geändert und wird sich auch nicht ändern. Wo andere Teams womöglich Türsteher vor dem Zelt haben, wurde man bei EiFelkind schon immer mit „Nimm‘ Dir einen Kaffee“ begrüßt. Keinerlei Berührungsängste.

Diese Gedanken schwirren mir durch den Kopf, als ich für eine Weile das Treiben in der Box in Bildern festhalte. Ja, es ist Arbeit, aber trotzdem fühlt sich alles so leicht an. Dafür gibt man gerne seinen Jahresurlaub. Dieses Jahr teilt sich EiFelkind die Box mit Abt. Die Kontraste könnten nicht größer sein. Ja, EiFelkind setzt zum ersten mal drei Wagen ein und von der Fahrerbesetzung ist mindestens eins davon gut für einen Podiumsplatz, wenn nicht gar für den Klassensieg. Irgendwie setzt sich doch die Bodenständigkeit und die Offenheit des Teams selbst in der Art und Weise, wie das Equipment in der Box aufgebaut ist. Die Kommandozentrale von Abt mit Telemetrie, zig Monitoren und Ingenieure für jede Kleinigkeit wirkt im Vergleich geradezu steril und unnahbar. Hightech statt high feelings.

Die Zeit für das Nachmittagsqualifying rückt näher. Ich verabschiede mich von dem Team und nehme mit Devid, dem Videographen des Teams, Platz in dem erstbesten Media Shuttle. Rauf zum Adenauer Forst. Es fühlt sich gut an, den mörderischen Anstieg nicht zu Fuß bewältigen zu müssen. Selbst die Nachmittagshitze macht mir nichts aus und die Mitzieher klappen erstaunlich gut. Fast bin ich etwas enttäuscht, als das Qualifying zu Ende geht und wir uns auf dem Weg zurück ins Fahrerlager machen.

Wie an so vielen Tagen, trägt mich das EiFelkind-Gefühl durch den späten Nachmittag und dem Abend des Nachtqualifyings. Wieder Media Shuttle, diesmal zum Brünnchen. Auf dem Weg dahin ein netter Talk mit dem Fotografen des Hyundai-Teams. Er ist zum ersten mal da und möchte zum Karussell. Ich erkläre ihm den Weg, wir plaudern über Licht und die besten Spots an der Nordschleife, Kameraeinstellungen und so weiter. Irgendwie habe ich das EiFelkind-Gefühl selbst verinnerlicht.

Müdigkeitsbedingt werfe ich kurz meine Pläne um, noch zur Eiskurve zu laufen und lasse mich zurück ins Fahrerlager fahren. Noch ein Gespräch hier und da, Einzelheiten klären und so weiter. Die Bilder von den glühenden Bremsscheiben in der Nacht und so vieles mehr hebe ich mir für Samstag und Sonntag auf. Für die richtige Hatz zweimal rund um die Uhr.

Die Vorfreude steigt, als ich mich auf dem Weg zu meinem Eifelquartier mache. Doch eine Sache lässt mich nicht los, selbst als ich später total erledigt im Bett liege.

Das EiFelkind-Gefühl.

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