Warmfront

Ich schlief ganz schlecht und war eine halbe Stunde vor dem Wecker wach. Weiß nicht, woran es lag. An Schlaf war nicht mehr zu denken. Entnervt stellte ich den Wecker aus und ging unter die Dusche. Die restliche Zeit verbrachte ich bei Kaffee und Radio. Weiß nicht wieso ich diese CD für den heutigen Weg zur Arbeit mitnahm. "Law of the Order" von Shark Island.Fast vergessener, kraftvoller und melodischer Heavy Rock aus den späten 80ern. Lange nicht mehr gehört.

Einsteigen, CD einlegen, losfahren. Rein ins Berufsverkehr. Alle Scheiben runter. Auf den Straßen ein Scheinwerfermeer. Warme, feuchte Luft und ein für die Jahreszeit ungewöhnlich milder Wind, der Quellwolken durch die Dämmerung peitschte. Typisches Warmfrontwetter. Ich wußte, später am Tag wird es heftig gewittern und regnen. War mir aber egal, es war einfach zum genießen da. Die Tanknadel ermahnte mich, eine Shell-Tankstelle anzufahren, die auf dem Weg lag. Zeit für die erste unvernünftige Tat des Tages. Gerade erst gestern hatte ich meinem Cab eine ausgiebige Wäsche inklusive Lack- und Felgenpolitur gegönnt, jetzt dürfte er auch Shell V-Power Racing futtern. Sinnlos, teuer, unvernünftig...MIR EGAL!

Auf dem Weg zur Kasse atmete ich die Luft in vollen Zügen und spürte es ganz deutlich. Diese seltsame Art von Kraft, die sich in mir sammelte. Als würde ich sie mit der Luft einatmen. Nicht für eine bestimmte Tat, nicht aus einem bestimmten Anlass, einfach so. Mein Schritt wurde leichter und leichter, als ich zurück zum Cab lief und das Verdeck öffnete. Zügig kam ich durch den morgentlichen Verkehr durch. Endlich die Autobahn. Radio lauter, Gaspedal tiefer.

Cab stürmte vorwärts....150,160,170....5000 U/Min!!! NENNDREHZAHL!!!! Nur mit hochgeklapptem Windschott. Die Musik dröhnte mir in den Ohren und ich genoß den Fahrtwind. Was an der Tankstelle angefangen hatte, setzte sich fort. Wie der Cab die 100 Oktan wegschlürfte, so atmete ich mit jedem Zug immer mehr von dieser seltsamen Kraft in mich hinein. Nicht nur die Fahrt, auch alles andere in diesen Momenten fühte sich nicht wie fahren an, sondern wie fliegen. Selbst die Staus an den üblichen neuralgischen Stellen waren nicht da. Bremsen mußte ich nur an der fast bundesweit bekannten Starrenkästenbatterie kurz vor der Ausfahrt.

Gemächlich über die Landstraße und rein in die Stadt...noch ein Paar Ampeln, noch ein Paar Kurven. Stau vor der Parkhauseinfahrt, die Schrankenanlage spinnt mal wieder. Zwei meiner lieblings-RTAs legten wie es der Zufall so will gerade eine Zigarettenpause vor dem Seiteneingang vom Krankenhaus. Aus dem Augenwinkel nahm ich wahr wie sie mir nett zugelächelt und zugewunken haben. Als würden mir in der Tat Flügel wachsen. Zurücklächeln, zurückwinken.

Das Lächeln klebte mir immer noch am Gesicht, als die Schrankenanlage endlich ging. Auch wenn ich wußte, heute wird es ganz viel Arbeit geben. NEIN, Ich wußte, ich würde die Arbeit alle schaffen und nicht umgekehrt. These days are made for winning!!!!

One response to “Warmfront”

  1. Dani says:

    Hey, Tommy…würdest nen guten Motorradfahrer abgeben.

    >>Nicht nur die Fahrt, auch alles andere in diesen Momenten fühte sich nicht wie fahren an, sondern wie fliegen.<<

    Ich kenn das Gefühl so gut….und zwar schon bei unter 9000 Umdrehungen auf meiner Sägemühle 😉
    Leider kommen jetzt gefühlte 14 Monate Winter auf uns zu…Permadarkness dass sogar meine Sommersprossen bleich werden.
    Hoffen wir, dass wir die Dunkelkammer gut überstehen 🙂

    Greetings ausm Süden 🙂
    D.

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