Raum und Zeit

An manchen Tagen bin ich schon versucht an Sachen wie Schwarze Löcher, Risse im Zeit-Raum-Kontinuum, Zeitmaschinen und Warp 9 zu glauben. Das Problem mit all dem Zeug ist nur, man fällt meistens ganz unerwartet und fast immer unvorbereitet rein, und wenn man zurück in die "normale" Welt findet, glaubt kaum einer einem, was man erlebt hat. Man wird bestenfalls für ein wenig seltsam gehalten...

Moment, "normale" Welt? Was ist eigentlich "normal"? Der Alltag der letzten Woche(n) war es bestimmt nicht. Etliche Tage erst nach acht Feierabend und die allgegenwärtigen Diesnte, weil's so schön ist auch noch gleich Wochenenden im 3er Pack. Frei haben, was war das noch? Kann man das essen? Und ein verlängertes Pfingstwochenende. Netterweise 2 Tage überstundenfrei zusätzlich. Schön und gut, aber was macht man dann mit der ganzen Zeit? Ist man immer noch in der selben Welt. Komisch, am Donnerstag abend (ausnahmsweise Feierabend nicht um acht, sondern um halb zehn) war die Welt noch in Ordnung und alles hatte seinen Platz.

Gut, daß es auf der Welt immer noch echte Freunde gibt. Ein Abstecher ins Oberbergische zu einem guten Freund hilft schon um zu vergessen, daß man eigentlich fast vergessen hat, was man mit der freien Zeit macht. Trotz offenem Verdeck ist das Cab immer noch ein normales Fortbewegungsmittel, was sicher und zuverlässig dem Zweck dient, jemanden von A nach B zu bringen. Lufttemperatur um die 30°C. Gefühlte 50. Der erste Anzeichen, daß da irgendwas anders ist?

Als wir zu einer "normalen" Fahrt aufbrechen, häufen sich die seltsamen Veränderungen. Mein Hirn scheint nicht so richtig zu funktionieren. Kann nix für, daß ich die hälfte der Zeit so ziemlich debil am grinsen bin. Na gut, damit kann ich noch leben. Weitaus beunruhigender finde ich meine Laune. Ab und zu ist es mir danach zumute, im vorbeifahren das eine oder andere attraktive Mädel anzuhupen. Einfach so. Aus Spaß. Selbst die Vorstellung, als Antwort mit irgendwelchen Gegendständen beworfen zu werden, finde ich zum lachen geil. Kann mir das lachen auch nicht verkneifen. Trotzdem hupe ich niemanden an. Mal im ernst, selbst wenn ich mit nem Pflasterstein getroffen werde, wäre das kein sonderlich großer Verlust, aber daß es dabei auch das Cab erwischen könnte...da hört der Spaß eindeutig auf.

Meinem Freund Sep scheint die Tour auch ein Heidenspaß zu machen. Unerklärlicherweise, denn sein Fuhrpark kann sich im Vergleich zum Cab durchaus sehen lassen - eine rote Honda 600CBR und ein schwarzes Monster, was in seinem früheren Leben ein Seat Leon gewesen ist. Als wir zu einem Snack anhalten, bin ich mir immer noch nicht sicher, ob ich nicht durch ein Riss im Zeit-Raum-Kontinuum in eine andere Welt gefallen (gefahren?) bin oder ob es am Cab und am Wetter liegt.

Und das ist nicht einmal das Ende vom Tag. Sep hat eine Idee, so fahren wir hier und da von der Hauptstraße ab, ersparen uns den einen oder anderen Stau in der gummersbacher Innenstadt und ich finde mich plötzlich in Gegenden, wo ich nie selbst gefunden hätte. Nicht daß es mir nicht gefällt. Die Erklärung kommt prompt vom Beifahrersitz: "Wenn ich mit dem Motorrad unterwegs bin, ist das meine Hausstrecke." Man merkt es. Schöne langgezogene Kurven, fast keine Schlaglöcher, mal nach oben, mal nach unten und das ganze entlang der Agger, schön eingebettet in der oberbergischen Landschaft. Märchenwelt.

Und wie es in jeder Märchenwelt ist, kommt auch irgendein böser Zauberer daher. Diesmal in der Form eines Mondeo Tournier, der es lustig findet, an meinem Heck zu schnüffeln. Na warte! Vom fünften ums Eck ins vierte und das rechte Pedal bis zum Bodenblech. Cab zieht wie auf Schienen durch die Kurven, vom Beifahrersitz sagt mir Sep die nächsten Kurven an. Im Rückspiegel wird die Ford-Schnauze immer kleiner und kleiner, bis sie nach einer Kurvenkombination ganz verschwindet. Daran könnte ich mich glatt gewöhnen.

Über die Aggertalsperre wechseln wir auf die andere Talseite und fahren zurück. Nur das das "zurückfahren" hier einmal den gleichen Spaß, diesmal gesteigert durch längere Steigungen und Gefällen bedeutet. Hier und da sogar vorbei an das eine oder andere Fabrikgebäude, was so aussieht, als wäre es in der goldenen Zeit der Industrie im Bergischen Land gebaut. Und dennoch in das Bild so natürlich passt, daß man ein wenig vom Gas runtergeht. Das einzige Starrenkasten auf der Strecke macht den Eindruck, als wäre es für irgendwelche Sünden aus einer anderen Welt in alle Ewigkeit verbannt, hier auf seine Erlösung zu warten.

Auch die schönsten Märchen haben aber irgendwann ein Ende. So sind wir wieder bei Sep, ich verabschiede mich und fahre nach Hause. Cab darf zur Belohnung Super Plus futtern. Auf der A4 richtung Köln begegnen mir gleich 3 Opel GT en convoy. Kaum Stau und so schöne Autos. Zurück in den 70ern? Ich lasse mich einmal von der Kolonne überholen, schaue mir die Opels an und ziehe dann gemütlich an denen wieder vorbei. Und denke nicht einmal im Traum daran, wie ich zurück ins Jahr 2009 finde. Solche Risse im Zeit-Raum-Kontinuum scheinen unberechenbar zu sein.

Naja, fast unberechenbar. Eigentlich hätte ich es wissen müssen. Die alljährliche wohin-auch-immer-und-in-drei-Tagen-zurück-Pfingsten-Reisewelle scheint schon im Sinne der generellen Relativitätstheorie bedeutend zu sein. Nicht nur tut sie den Kölner Ring in das übliche straßentechnische Gegenstück zum verstopften Klo verwandeln, sondern erinnert schmerzhaft an die Rush-Hour im Berufsverkehr. Und wenn man den fünf-Uhr-Nachrichten im Radio glauben schenken darf, ist es sogar 17.00 am 30.05.2009. Na gut, dann stehen eben auch die Chancen gut, daß wenn ich wieder an meiner gewohnten Adresse angekommen bin, alles, was da vorzufinden wäre, noch steht.

Zuhause angekommen, betrachte ich schon das Cab von allen Seiten. Hmm, wie eine Zeitmaschine sieht er nicht aus. Oder doch?

Vielleicht müßte ich die Frage mal im bBdW posten...

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