In Memoriam

Ist es 10 Jahre her? Irgendwie schon. Auch wenn es oft alleine die Veränderungen und alles, was in all der Zeit passiert ist, die mich daran erinnern und was sich nicht unbedingt in einer kürzeren Zeit packen läßt. Wie dem auch sei, es ist wirklich 10 Jahre her.

Sonntag, 31.10.1999. Mika Häkkinen feiert seinen zweiten Titel und die eher langweilige Formel1-Saison ist zu Ende, dafür bleibt die ChampCar-Saison so spannend wie nie. Auch wenn ich über die eher farblose Saison von Parker Johnstone enttäuscht bin, die Serie ist kräftig im Aufwind. Für die kommende Saison ist ein Riesen-Sponsordeal mit Compaq/Quokka Sports Immersion unterzeichnet, angeblich wird man 2000 die Rennen auch im kostenlosen streaming Video im Internet sehen können. Gute Aussichten...

Die "Silly Season" ist mitunter spannender als der Kampf um die Meisterschaft. Penske will angeblich die erfolglosen eigenen Chassis aufgeben und auf Lola setzen, der Swift hat sich als eine Gurke entpuppt. Mit einer gehörigen Portion Optimismus meldet Toyota Meisterschaftsambitionen an, und das nachdem sie immer noch dem Feld hinterherfahren. In den wenigen ChampCar-Foren fragt man sich, ob das Auto der Meister sich nächstes Jahr immer noch aus der Kombination Reynard-Honda-Firestone zusammensetzen wird.

Mitten im ganzen Getümmel ein junger Kanadier namens Greg Moore mit der Startnummer 99 im weiß-blauen Reynard-Mercedes von Team Forsythe. Ein Publikumsliebling ohne große Star-Allüren. Rastet nicht so aus wie Tracy, fährt beiweitem nicht so brutal wie Franchitti und zieht nach seinen Siegen keine Show ab wie Zanardi. Irgendwie unspektakulär. Oder traut keiner einem so jungen Faher so einen reifen Stil zu? Das Zeug zum zukünftigen Champion hat er aber allemal, auch wenn man ihn als unbedarfter leicht übersehen könnte in einem Starterfeld mit so vielen talentierten Fahrern und alten Routiniers wie nie. Auf alle Fälle, der Saisonabschluß auf dem California Speedway verspricht so einiges.  Unheimlich hohe Leistungsdichte und ein Superspeedway. Der Stoff, aus dem (Motorsport)träume sind.

Ungewöhnlich für ihn hat auch Greg von sich reden lassen schon im Vorfeld. Sein Wechsel zu Penske für die 2000er Saison ist unter Dach und fach. Zufälligerweise gehört auch die Strecke in Fontana dem alten Roger Penske. Da ist es fast Pflicht, eine gute Performance hinzulegen.

Und das tut er sogar mit einem lädierten Handgelenk. Runde 9, Turn 2. Restart nach einer kurzen Gelbphase. Die Kamera bleibt bei dem Führungspack, bis sie auf einmal auf etwas durch das Infield taumelndes blau-weißes umspringt, was gerade noch so als ChampCar zu erkennen ist und nach mehrfachem Überschlag nur noch ein Haufen Trümmerteile ist.  Es sieht grausamer aus als der Crash von Jeff Krosnoff 3 Jahre früher.

Same Procedure As Every Race, Full Course Yellow, Rettungsteam zur Stelle, Greg wird aus dem Auto geborgen und ins Loma Linda University Medical Center geflogen. Mir stockt der Atem, aber nicht wegen des eher unspektakulären Rennens. Die traurige Nachricht kommt nach dem Zieleinlauf. In einem makabren Schicksalstreich gewinnt Adrian Fernandez - derselbe Fahrer, der drei Jahre früher beim Molson Indy Toronto einen Sieg ohne Freude errungen hatte. Eine gute Freundin hat Jahre später gesagt, die herausstechendste Eigenschaft des Schicksals wäre seine Grausamkeit. Es scheint was wahres dran zu sein.

Zu meiner Last muß ich gestehen, in all den 10 Jahren habe ich nicht oft an Greg Moore gedacht. Und erst als ich diese Zeilen schreibe, frage ich mich, was aus ihm geworden wäre. Hätte, wäre, wenn...was hätte er in 10 Jahren alles erreichen können. Gewiß einiges. Vieles. Aber es hätte alles irgendwie anders sein sollen.

RIP.

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