LWL-Freilichtmuseum Hagen

Letztes Wochenende noch am Ring gewesen, die Woche soweit es ging den Boxster genossen. Und mit ner kaputten Festplatte gekämpft. Und, und, und... eins folgt auf das andere und ergibt das nächste. So folgt auf das lange Ausschlafen ein relaxter Morgen, der langsam zum (Nach)mittag wird. Tiefblauer Himmel. Genau die richtige Lichtqualität für einen bestimmten Ort.

Das Freilichtmuseum in Hagen. Schön, aber "leider" zu groß. Ohne Kamera gerade noch an einem Tag zu schaffen, mit Kamera eher eine Geschichte für mehrere Wochenenden. Architektur, Handwerk, Geschichte...für jeden irgendwas und jedesmal was anderes.

Licht- und ausschlafbedingt habe ich aber keinen Tag. Muß mich beeilen. Leere Speicherkarte und frisch geladener Akku in die Kamera und ab geht's. Dank Boxster wird die Fahrt zum zügigen Vergnügen und nach dem obligatorischen Fussmarsch werde ich an der Kasse lächelnd begrüßt, als ich die LWL-Museumscard zeige.

Ab jetzt geht's langsam. Die Bimmelbahn (so heißt das Museums-Pendelbus) fährt nicht, also heißt es, zu Fuß hoch durchs Mäckingerbachtal. So zungenbrecherisch wie der Name schlängelt sich sich der Mäckingerbach durch sein Tal. Immer wieder durch das nächste Wehr aufgestaut, immer wieder alte Fachwerkhäuser. Werkstätten mit buchstäblich lebendigem Interieur. Die Nagelschmiede zum Beispiel, wo man wohl einem der letzten Meister des Schmiedehandwerks nicht nur zuschauen, sondern sich auch alles haarklein erklären lassen kann.

An diesem Samstagnachmittag stehen die Hämmer still und es lodern keine Flammen in den Essen. Kein rumpeln und bumpeln, kein rattern und klackern, nur der bisweilen eisige Wind. Eine Einladung, statt auf Geschichte und Arbeit sich auf Form, Farbe und Licht zu konzentrieren. Und sich Zeit zu lassen. Entschleunigung.

Der Einladung folge ich und arbeite mich langsam hoch. Probiere unterschiedliche Blickwinkel und Brennweiten. Doch ein Paar Meter weiter links? Nee, lieber einen halben nach rechts? Ein- oder Auszoomen? Oder doch lieber den 8-16mm als Tilt/Shift-Ersatz nehmen? Wähle mit Bedacht! Mal schauen. Interessantes Licht, wie wäre es mit einem HDR?

Zeit muss sein und so nehme ich sie mir. Genieße das Licht- und Schattenspiel. Wechsle Objektive und mache die eine oder andere Belichtungsreihe, wo es mir danach zumute ist. Auch wenn ich mir sicher bin, das ein gutes Bild dabei ist und das HDR nicht sein muss. Man kann es bei so einem gefühlvollem und nuancenreichem Lichtspiel nie wissen.

Den Rest besorgt das Zusammenspiel aus Architektur und Landschaft. Fachwerkhäuser in einem Tal, da kann wenig schiefgehen. Blauer Himmel und noch winterlich kahle Bäume. Könnte auch Herbst sein, meine Lieblings-Jahreszeit. Gut, das ich kein Architekturfotograf bin und mir diesen Genuss nicht durch die Bemühungen, irgendwelche Regeln einzuhalten, verderben lasse. Mehr knipsen als "richtige" Fotografie, aber so macht es heute Spaß. Dazwischen versuche ich mich mit der einen oder anderen Belichtungsreihe vom Inneren der unzähligen Werkstätten. Auch eine Art Entschleunigung.

Unmerklich habe ich die Speicherkarte gut gefüllt und bin im "Oberdorf" und damit zu einem meiner Lieblingsmotive - das "gelbe Haus". Wie er aus der Reihe tanzt, hat was. Versuche, dies im Bild einzufangen. Passt. Esse was in der Gaststätte und trinke in aller Ruhe einen Kaffee und genieße die Aussicht mit beiden Augen. Wie mein Fotografie-Lehrmeister sagte, "es tut gut, nicht dauernd durch den Sucher zu sehen". Irgendwie habe ich das Gefühl, gute Bilder gemacht zu haben, also wird der Fotokram eingepackt. Ohne Hast mache ich mich auf dem Weg nach unten und ignoriere geflissentlich einige Bildideen. Kommt Zeit, kommt Bild.

So mancher Fotoausflug scheint doch länger nachzuwirken. So geht es mir beim Sichten und Aussieben. Muss lächeln, das die ganze Fotostrecke gewaltig an Kitsch grenzt. Ich überspringe ein Paar Probleme mit der Sortierung von Lightroom. Probeweise ein Paar HDRs versuchen. Wirkt, wird aber zur Seite gelegt. Nur keine Hektik.

Tags darauf hat sich nichts geändert. So rettet mich diese Bilderstrecke von dem mühevollen Aussortieren einiger Hundert verschwommener Mitzieher vom AvD-Race Weekend. Genauso leichtherzig lasse ich die Innenaufnahmen links liegen. Die sind ein eigenes Thema. Stattdessen wende ich mich lieber dem "Kitsch" zu und bin überrascht, wie leicht die Nacharbeitung der Bilder klappt. Bei technisch gelungenen Bildern fällt mir die Auswahl der besten erstaunlich leicht.

Als alles fertig ist, muß ich lächeln. Könnte sein, daß die Bilder hart an Kitsch grenzen. Macht mir nichts aus. Hat Spaß gemacht, von der Aufnahme bis zum finalen "Aussieben".

Hat Spaß gemacht, diese Art von Entschleunigung zu genießen.

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