Fast verhoben

Fast genau ein Jahr ist es her, daß ich zum ersten mal die Kamera eingepackt und nach Henrichenburg gefahren bin. Hat schon was, und das gilt fürs gesamte Schleusenpark, nicht nur für das alte Hebewerk und das Museum drumherum. Die erste Fahrt dahin machte ich nach einem nicht sonderlich erfolgreichen Fotoausflug zur Henrichshütte und kam mit einigen Fotos der alten Schleuse zurück, gleichzeitig hatte ich den Spot für ein Nachtfoto vom Hebewerk gefunden und beim nächsten Besuch es auch geschossen. Die halbe Stunde Warten auf das "richtige" Licht und die schwierige Nachbearbeitung waren nur ein Vorgeschmack auf das, was kommen sollte.

Daß es unmöglich ist, sich an einem Tag alles anzuschauen (ohne Kamera) oder auch ein Bruchteil der vielen sehenswerten Motive zu fotografieren, hatte ich schon beim ersten Besuch entdeckt. Kein wirklich gutes Licht, nicht wirklich ein glückliches Auge, Hadern mit der Nachbearbeitung, Ausschuß, Ausschuß, Ausschuß! Da hatte ich mich wohl verhoben, und zwar gründlich.

Dennoch machte ich mich ein halbes Jahr später wieder auf dem Weg dahin. Klarer Märzhimmel, mehr Glück als Verstand mit dem Licht, hier und da ein Polfilter. Sehe mal, es klappte. Weniger Ausschuß, einige gute Aufnahmen. So manches vorher interessant aussehende Motiv landete schnell in der Tonne, dafür aber entdeckte ich andere Bildideen. Fischauge? Immer wieder gerne! 400er Objektiv für Architekturfotografie? Aber klar! Spielereien mit dem Weitwinkel? Ohja! Und immer wieder dahin fahren. Neben dem ganzen Herumgeknipse blieb sogar Zeit für die eigentliche Ausstellung. Nicht viel, aber immerhin. Mit jedem Besuch ein Stückchen mehr.

Wo die Motive stimmten, haderte ich dafür mit dem Licht. Studierte Karten, Sonnenstandtabellen und rechnete mir den ungefähren Sonnenstand für das eine oder andere Bild aus. Und erneut sah es so aus, als hätte ich mich fast verhoben. Für ein bestimmtes Bild bis zum Winter warten? Als letzte Verzweiflungstat griff ich zum HDR und hatte damit mehr Glück als Verstand. Ein Bißchen sich ins Thema reinlesen, aufs Licht achten (ja, selbst beim HDR muß man das). Wieder einmal eine Hürde genommen. Und mir bei meinem Fotografie-Lehrmeister fast den Spitznamen "Hebewerk-Tom" eingefangen.

Das auch absolut zurecht. Während sich die (mehr oder weniger gelungene) Bilder türmten, entdeckte ich immer weitere Motive. Im Klartext - hätte mich planlos in dem ganzen fast verrannt. Es hieß einmal innehalten und überlegen, wie ich die ganzen Bilder in einer mehr oder weniger zusammenhängenden Serie verpacke. Nach einigen Kopfschmerzen (denken ist eben nicht meine Stärke), hatte ich so etwas wie eine Idee, die noch fehlenden Bilder ergänzte ich bei einem letzten Fotoausflug. Die LWL-Museumscard hatte sich schon längst bezahlt gemacht. Zur "Feier des Tages" gönnte ich mir einige historische DVDs und Bücher aus dem Museumsshop. Fast geschafft. Nur fast.

Vor Jahren hatte ich irgendwo gelesen, daß Können nur die halbe Sache wäre und es Talent erfordern würde, eine Sache zu Ende zu führen. Bin nach wie vor der Meinung, daß viel Wahres drinsteckt. Auch wenn es vielmehr Bilder sind, die ich machen möchte und mit manchem nicht so 100% zufrieden bin. Irgendwo muß man auch einen Schlußstrich ziehen können und alles zu Ende bringen. Die letzte Aufgabe, an der ich mich fast verhoben hätte. Aber nur fast - ein Jahr nach meinem ersten Besuch in Henrichenburg habe ich die Bilderstrecke doch fertigbekommen:

P.S. Das heißt aber nicht, daß ich nicht wieder hinfahre.

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