Bitte ein Bit!

Bitburg kannte ich bisher (fast) nur in Flaschenform. Dieses Wochenende sollte sich aber alles um das frühere Wahrzeichen von Bitburg drehen, nämlich die ehemalige Air Force-Basis. Es scheinen wohl einige Fässer Bitburger darin im Spiel gewesen sein, daß die Lëtzebuerger "Ihre" Airshow dort und nicht in Findel veranstalten, aber hey, selbst Bitburger Pils ist manchmal für etwas gut. Zum Beispiel zum Flugzeuge knipsen.

Vor den Bilder machen hatten die Götter an diesem Tag das (Cabrio)fahren gesetzt. Die Fahrt nach Bitburg fiel dank fast leerer Autobahnen und Straßen in schöner Eifellandschaft angenehm kurzweilig aus, bei dem Fahrtwind konnte von Hitze kaum die Rede sein. Ich war eigentlich erstaunt, hätte mit Staus und heftigem Verkehr in und um Bitburg gerechnet. Der kam aber eher aus Richtung Südwesten. So hatte ich Zeit, mich in Bitburg zum Werkstor der Brauerei zu verfahren, ehe ich nahe Flugplatz mein Cab abstellen konnte. Vom Rücksitz wanderte meine überschaubare Ausrüstung auf dem Rücken. Kamera mit Suppenzoom, Stativ, Fernauslöser. Braucht man als Anfänger wirklich mehr?

Das Warten auf dem Shuttle-Bus schenkte ich mir. Die Viertelstunde Fußweg zum Flugplatz wurde zur ersten "richtigen" Bewährungsprobe für mich und meine Ausrüstung. Absolut kein Problem, selbst bei der Affenhitze. Der Eintrittsbereich schien dafür ausgelegt zu sein, locker die doppelte und dreifache Menschenmenge abzufertigen, so war ich schnell auf dem Flugplatz.

Nach einigen Orientierungsschwierigkeiten traf ich auch endlich Thomas. Mein Fotografie-Lehrmeister (auch wenn er bei den Worten immer meint, ich sollte nicht übertreiben). Endlich dürftef ich sein Riley RM live bewundern, was fast noch interessanter war als das Flugprogramm. Nirgendwo in der Autowelt außer im britischen Automobilbau trifft man so eine schöne und in sich stimmige blechgewordene Mischung aus fortschrittlicher Technik und Anachronismen. Eine komplette Instrumentierung im Cockpit und 12 Volt-Anlage (Ende der 40er Jahre!) treffen auf Winker und Plus an Masse. Die Holzkarosserie nach bester britischer Tradition ruht auf einer Starrachse hinten und einer durchaus pfiffigen Vorderachse mit Drehstäben. Wer einen langweiligen OHV- oder sogar SV-Motor erwartet, wird von einem unglaublich eleganten DOHC-Agregat mit SU-Doppelvergasern überrascht.

Viel Zeit, um den Riley zu bewundern, hatten wir nicht. Thomas stellte gerade seine Fotoausrüstung zusammen. Zwei weiße und eine schwarze L-Linse, Telekonverter, eine einstellige EOS. Tja, wer die umfangreichere Ausrüstung hat, hat auch die Qual und braucht zwangsläufig mehr als nur eine Tasche. Muß schmunzeln, hier hatte ich es als blutiger Anfänger viiiiel leichter.

Es war noch Zeit für eine kurze Tour durch die Show, Flugprogrammbedingt unterbrochen durch einige Stops zum Flugzeuge (ab)schießen, gleichwohl ob am Boden oder in der Luft. Mein Lehrmeister stand mir mit nützlichen Tips zur Seite, was leider nicht verhindern konnte, daß die Interieurfotos von der Noratlas (der letzten noch fliegenden weltweit) versemmelt habe. Wenig später war ich auf mich alleine gestellt. Thomas' Angebot, seine weißen Zooms zu benutzen, lehnte ich dankend ab. Schön wäre es gewesen, aber an die Dinger traue ich mich noch nicht heran. Ich kenne nicht einmal meine eigene Suppenzoom-Linse gut genug.

Der Rest des Tages verging so schnell, wie die Speicherkarte sich füllte. So eine Airshow bietet sich hervorragend, um sich als Anfänger an seine Ausrüstung zu gewöhnen. Kamerabedienung, Stativ aufstellen, und und und...So erwischte ich ein Paar gute Fotos vom Flugprogramm, dagegen verhaute ich gnadenlos (obwohl vom Stativ fotografiert) den Auftritt der Breitling Wingwalkers. Na gut, dann eben nächstes mal. Zum Glück tat weder das noch die (Un)menge weißer und/oder Megazoom-Linsen meiner Laune einen Abbruch. Am Geldwert gemessen, lief da mindestens ne halbe Million Euro frei herum.

Es störte mich nicht. Es gab Motive in Hülle und Fülle, klar, daß die Fotografen aller Couleur zur Stelle waren. Und da man sich in Bitburg befand, schienen die Produkte der örtlichen Brauerei auch in genügend großer Menge vorhanden zu sein.  Wie oft der Moderator seine Sätze mit "und ein Faß frisches Bitburger" beendete, könnte man denken, es bestünde eine großvolumige Pipeline zwischen Brauerei und Flughafen.

Die Herzen der Antialkoholiker versuchte der Moderator dagegen mit nicht weniger Einsatz für schweizer Rivella-Limonade zu gewinnen. Bei der Hitze schon eher passend, so tat ich auch mal was für die Sponsoren und genehmigte mir einen Schluck. Schmeckte nicht übel, aber bei der Hitze hätte man das Zeug besser  (genau wie Bitburger) fässerweise verkaufen.

Langsam wurde es spät am Nachmittag. Thomas hatte sein "Dienst" im VIP-Bereich beendet, so stiefelten wir wieder durch den Flugplatz. Die Flugzeugreihen hatten sich gelichtet, gleichzeitig bat sich auch das eine oder andere Motiv abseits der Show. So wie der Zeitgenosse, der offensichtlich vom vom Sinn und Zweck der mindestens 10 aufgestellten Dixiklos nicht überzeugt war und stattdessen gleich daneben die Blumen wässerte. Schnappschuß erster Güte, leider mit total ausgefranstem Himmel.

Während das fotografische Interesse immer noch auf dem Flugprogramm lag, verlagerte sich das allgemeine Publikumsinteresse auf das Deutschland-Spiel. Ein zum Pub(l)ic Viewing eingerichteter Hangar erfreute sich regem Besuch, und wer draußen lieber bei den Flugzeugen blieb, wurde vom Moderator über den aktuellen Spielstand am laufenden gehalten.

Der Rest der Show ging so schnell vorbei, wie die Tore fielen. Das Spiel war aus, die Speicherkarte gut gefüllt, zum Ausklang gab es noch eine Fahrt im Riley. Nichtsahnend fuhr ich nach hause und noch nichtsahnender spielte ich meine Bilder von der Kamera auf die Festplatte.

Das Ärger über versemmelte Bilder hiel sich in Grenzen. Zum einen - selber schuld, zum anderen - da fällt einem die Auswahl der besten Bilder umso leichter, umso weniger es davon gibt. Vom Rest bescherten mir einige Bilder etliche Schwitzstunden in der digitalen Dunkelkammer, bevor das Ergebnis endgültig im Papierkorb wanderte. Von Thomas erfuhr ich, daß seine C130-Bilder fast alle in der Tonne gelandet sind. Dennoch, bei dem einen oder anderen Bild entdeckte ich Seiten, die ich nicht beabsichtigt hatte, aber die sichunerwarteterweise gut machten. Gleichzeitig strafte mich mein Objektiv mit seinen eigenen Macken. Nun gut, selbst ein Suppenzoom muß man richtig bedienen können und wissen, wann er scharf ist und was er nicht mag. Darum war ich trotz massenweise Ausschuß froh, nicht mit Thomas' weißen Linsen geknipst zu haben.

Nachdem alle Bilder entwickelt, der Ausschuß entsorgt und die Auswahl der besten getroffen war, kam noch einiges dazu:

  • Bei Flugzeugen in den Luft kann man nicht nur MF, sondern teilweise auch AF vergessen
  • Den AF-Punkt flugs zu wechseln, klappt auch mit dem Auge am Sucher
  • Der Sucher hat so seine Tücken, wenn es um die Bildränder geht. Auszoomen und am PC trimmen!
  • Vertrau nie blind einer Belichtungsmessung!
  • Vertrau noch weniger den von der Kamera vorgegebenen AF-Punkten!
  • Wenn die Kamera versucht, sich schlauer als der Fotograf zu stellen, versaut sie einem auch die besten Motive!
  • Eine leicht geschlossene Blende ist Dein Freund, wenn's scharf werden muß
  • Wenn ein Flugzeug fliegt, gilt: (Flugzeug scharf/Propeller mit Bewegungsunschärfe)*Belichtungszeit=πr2
  • Je mehr man ein Bild bearbeiten muß, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, daß man bei der Aufnahme was falsch gemacht hat
  • Spannweite ist bei manchem Flugzeug kein technisches Detail, sondern ein fotografisches Gestaltungsmittel!
  • Intensive Bearbeitung lohnt sich selten, ist aber gut, wenn man sie beherrscht
  • Mehr Ausschuß erleichtert einem die Auswah
  • Zum Glück muß man nicht jede Filmrolle einzeln bezahlen

Darauf ein Bit!

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