Ein alter Traum

Vor langer langer Zeit war ich flugzeugverrückt. Nicht daß ich es heute nicht bin, aber damals war es viel schlimmer. In der Gesellschaft ähnlich verrückter kommt man auch auf seltsame Ideen und Gedanken. Zum Beispiel aufs Planespotting. Das ist die Art, Fotografie auf Flugzeuge als einziges Motiv, Bildgestaltung auf möglichst zentriert, Ausrüstung auf möglichst lange und lichtstarke Brennweiten und Bildqualität auf knackig scharf ohne Zulässigkeit anderer Meinung zu reduzieren. Zugegeben, die Definition ist etwas überspitzt, aber angesichts der Qualitätskriterien bekannter Flugzeugfotografie-Websites garnicht soweit von der Wahrheit entfernt.

Nun, damals war ich jung und mir fehlte das Geld für eine entsprechende Körperteilverlängerung (ab 200 mm). So blieb es fast nur beim Traum. Zum Glück. Aber irgendwie hänge ich noch am alten Traum, sonst wäre ich nicht bei Schietwetter mit einer laaaangen Linse auf der Kamera zum düsseldorfer Flughafen gefahren.

Die Kombination aus bescheidenem Licht, langer Brennweite und nicht sonderlich lichtstarkem Kanonenrohr (ähhm, Objektiv) zwingt zum Einsatz von Einbein und nicht gerade "Spotting"-freundlichem ISO400. Dazu noch bewegen sich die Dinger ziemlich schnell. Irgendwie bereitet es mir aber doch ein Vergnügen, in dem "draufhalten, reinzoomen, mitziehen, Serienfeuer"-Modus zu wechseln. Die Blickwinkel, aus denen ein Flugzeug gut aussieht, kenne ich aus unzähligen Stunden auf der Besucherterasse. Ausschuß wird später aussortiert. Macht nichts, wenn's viel ist, dann fällt die Auswahl umso leichter.

Belohnt werde ich mit ein Paar guten Mitziehern und einem guten Motiv, als eine Air Berlin-A330 beim Liftoff von einem Windstoß erwischt wird. Das Aussieben fällt erstaunlich leicht und das Mistwetter hilft mir, nicht den gleichen Fehler zu machen wie in Bitburg und die Propellerbewegung einzufrieren. Es fällt mir ein (ehemaliger?) Flugzeugfotograf ein, der sich vielleicht darüber freuen würde.

Zuhause muß ich feststellen, daß "spotten" irgendwie nicht so für mich ist. Bei dem ganzen Einheitsbrei an Liveries (FLugzeugbemalungen) und immer den gleichen Flugzeugen vermisse ich die alten Zeiten, als in Düsseldorf noch Il-86, MD-11 und Tu-154 zu sehen waren. Da freue ich mich umso mehr auf die schöne MEA-Livery, selbst wenn das Foto nicht sonderlich gut geworden ist.

Oder hänge ich irgendwie doch mehr am alten Traum, als ich zugeben mag?

Leave a reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.