Im Tabbard

Mopsrettung. Staus. Hektik. Schlaf ist wieder mal Mangelware, trotzdem spielt an diesem Tag eine Portion Freude mit. Das Packen des Fotorucksacks gestaltet sich mit dem neuen „Bigma“ etwas umständlicher als sonst. Macht nichts. Rein ins Auto, ab dafür. Nach 11 langen Jahren „nur“ Zaungast sein darf ich heute zum ersten Mal die heiligen Hallen des Mediacenters am Nürburgring betreten und den Tabbard der Akkreditierten anlegen.

Ich gebe es zu, insgeheim habe ich davon seit 2013 geträumt. Aktiv habe ich es nie verfolgt. Das Leben und die Zeit haben mich Geduld und Stoizismus gelehrt. Statt mich auf Teufel komm raus darum zu bemühen, habe ich lieber Fotos gemacht. Tausende. Zehntausende. Es hat Jahre gedauert, bis die Mitzieher einigermaßen saßen und im Vergleich zu Guido Alfes oder den Swooshies bin ich immer noch blutiger Anfänger. Egal.

Es fühlt sich irgendwie antiklimaktisch an, als ich mein Team-Ticket gegen das Media-Ticket und den Tabbard eintausche. Alltäglich. Routine. Trotz des gestrigen Ärgers wegen einer anderen Sache komme ich aus dem Lächeln nicht raus. Jetzt schnell ins Teamzelt.

Das RCN-Rennen ist voll im Gang, als ich mir das verspätete Frühstück abhole. Wetter ist nicht so wirklich berauschend, da schmeckt die heiße Schokolade umso besser. Dazu noch muss ich Dennis für sein Musikgeschmack loben. Aus den Boxen läuft „Holy Diver“. DIO. Mit dieser Musik bin ich groß geworden.

Zwischen Frühstück und Smalltalk füllt sich das Teamzelt. Draußen kommt typischer Eifeler Regen herunter und alle suchen Schutz vor den Elementen. Es fällt das Wort „Fahrerbesprechung“ und ich werde hellhörig. Wenn schon, denn schon. Einigermaßen trocken finde ich den Weg ins Mediacenter und mache hastig die Kamera bereit. Während sich der Raum mit den Fahrern füllt, schieße ich ein Paar Stimmungsbilder. Bin mir noch nicht ganz sicher wegen der Benimmregeln dabei. Egal. Ich versuche, einfach niemandem auf die Füße zu treten, niemandem die Sicht zu versperren oder vors Objektiv zu laufen. Passt.

Als professioineller Reportagefotograf würde ich wahrscheinlich verhungern. Egal. Ich verlasse mich auf mein Auge fürs Wesentliche, bevor ich unsicher durch den Raum stakse und die EiFelkind-Fahrer suche. Mit etwas Glück finde ich sie. Desiree, Tim, Michael, Henning. Maurice als Strategiechef ist auch dabei.

Eigentlich ist heute Tims Tag, nicht meiner. Auch wenn er nicht sein erstes Rennen auf der Nordschleife fährt und schon so mancher Fahrerbepsrechung beigewohnt hat, das erste Mal 24h-Rennen ist nunmal das erste Mal. Sowas kommt nur einmal im Leben. Während ich meine Kamera auf ihn richte, wundere ich mich, was durch seinen Kopf schwirrt. Ich könnte ihn nachher einfach fragen, doch im hier und jetzt ist es mir viel wichtiger, diesen Moment so gut es geht in einem Bild festzuhalten. Erst, als ich mir sicher bin, seine Stimmung gut einzufangen, klickt der Auslöser. Maurice ist währenddessen eher entspannt und locker. Auch dieses Bild landet auf der Speicherkarte. Desiree, Henning und Michael auch. Wenn schon, denn schon.

Als kleine Zugabe erwische ich zufällig auch ein Bild von Kevin Wambach und muss daran denken, wie ich ihn 2019 vor der Linse hatte, als er seine erste volle RCN-Saison fuhr. Er ist einen langen Weg gegangen bis heute. Tim wünsche ich still einen erfolgreichen Weg.

Die Besprechung geht irgendwie alltäglich, unspektakulär und entspannt über die Bühne. Fast so aufregend wie ein Bürojob. In Gedanken schweife ich zurück zu Tim und zu all den anderen Fahrern, für die es heute die Premiere ist. Ob alle so entspannt gewesen sind? Keine Ahnung.

Für die Fahrer ist die Besprechung vorbei, für mich geht die Arbeit los. Fotos sichten und sieben. Diese Geschichte schreiben. Ich möchte niemanden im Teamzelt stören oder Platz wegnehmen, daher bleibe ich im Mediacenter. Eigentlich nicht so wirklich aufregende Arbeit, und trotzdem fühle ich mich ein wenig high.

Ich weiß, es werden aufregende und arbeitsreiche Tage werden. Ich weiß, daß Samstag auf Sonntag wieder um die 40 Stunden Wachsein anstehen.

Genauso gut weiß ich, das Gefühl wird anhalten. Wer bräuchte schon Drogen, wenn man nicht nur mit Tim und den EiFelkindern beim 24h-Rennen dabei sein darf, sondern auch das Tabbard trägt?

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