Der Fotopackesel

Schon mit der ersten "besseren" Kamera ist man der Versuchung erlegen, Gear (neufotodeutsches Wort für allen Pröttel, was man als besserer Knipser braucht) zu sammeln. Es heißt, man bräuchte es, um für jede Gelegenheit das passende Objektiv zu haben und somit bessere Fotos machen zu können. Nehmen wir an, man geht mit Kumpels wandern. Also sollte man auf gar keinen Fall vergessen:

  • Kamera
  • "Immerdrauf"-Objektiv.
  • Einen Weitwinkel. Man geht ja wandern, es könnte sein, daß man schöne Landschaften sieht.
  • Einen Telezoom. Es könnte sein, daß man Tiere begegnet.
  • Einen Tele mit fixer Brennweite und guter Offenblende. Ein Zoom kann hier und da an seine Grenzen kommen.
  • Einen Makroobjektiv. Makros von schönen Blumen und Insekten machen sich immer gut.
  • Fischaugenobjektiv. Sollte immer dabei sein.
  • Lochblende für kreative Landschftsaufnahmen.
  • Dreibeinstativ. Gut für Landschafts- und Makroaufnahmen.
  • Einbeinstativ für bewegte Aufnahmen.
  • Reserveakkus und -speicherkarten.
  • Linsentuch und Blasebalg. Man weiß ja nie.
  • Pol-, Neutral- und Verlaufsfilter.
  • Blitz. Entweder hat die Kamera keinen eingebauten oder er taugt eh nichts.

Schwuppdiwupp ist der Rucksack voll. Kein Problem, man ist schließlich Fotograf und sollte vor den Kumpels nicht klein beigeben.

Wäre da nicht das übliche Wandergepäck. Essen, Kleidung, Wasser, Klopapier, Imodium, Verbandszeug, Medikamente, Blasenpflaster und Wasauchimmer man auf einer Wanderung mitnehmen sollte. Zur Not passen auch zwei Rucksäcke auf einem Rücken oder man besorgt sich eine Satteltasche. Am besten mit dem dazugehörigen Fotopackesel. Dann wäre man bestens gerüstet. Und sowieso, man könnte auch den Esel reiten statt sich mühlsam abzustrampeln. Man ist schließlich ein Fotograf, kein Vollblut-Wanderer!

Nach dem schönen Beispiel stellt sich jedoch tatsächlich die Frage, was man mitnehmen sollte. Was ist sinnvoll, was notwendig und wieviel ist genug? Man will weder mehr Gepäck als nötig mitschleppen noch als "Fotopackesel" belächelt werden.

Dass es von den Motiven abhängt, ist eine Binsenweisheit, aber zugleich auch eine, die kaum jemand konsequent befolgt. Ein Telezoom auf einer Geburtstagsfeiler ist genauso überflüssig wie ein Blitz auf einer Wanderung. Zum Flughafen würde ich auch kein Blitz, Makro- und Portraitlinse mitnehmen, dafür aber Stativ und Tele. Wenn man konsequent diese Gedankengänge weiter ausführt, hat man seine Ausrüstung auf ein tragbares Minimum reduziert. Idealfalls 1-2 Objektive und die Kamera mit aufgesetztem Immerdrauf.

Wenn da die Sache mit den persönlichen Vorlieben nicht wäre.

Und das ist eine Sache für sich. Der eine spielt gerne mit Fischauge herum und probiert es immer, der andere steht auf "Tele-Kompression", der dritte schwört auf Weitwinkelspielereien. Wieso sollte man nicht auch der Leidenschaft ein wenig frönen? Es ist doch nichts schlimmes dran!

Nein, ist es nicht. Solange man auch die Sachen durch das ganze Abenteuer tragen kann. Und ja, es darf ruhig auch ein Bißchen mehr sein.

Diese Bilder zum Beispiel entstanden am Rande eines Motorsport-Events am Nürburgring (kann mich nicht mehr erinnern, welches, nur dass es 2015 war). Alleine am Entstehen dieser kleinen Serie waren vier Objektive beteiligt - ein Fischauge (Samyang 8mm), ein Weitwinkel (Sigma 8-16mm), mein Immerdrauf (Tamron 17-50) und ein Makroobjektiv (Tamron 90mm). Da es ein Motorsport-Event war, hatte ich noch den Canon 100-400 und ein Einbeinstativ im Gepäck.

Das Ganze passt wunderbar in einem mittelgroßen Fotorucksack und es ist sogar Platz für eine Wasserflasche und einen kleinen Snack noch da. Und damit lässt es sich sogar wunderbar um die Nordschleife wandern.

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