S.T.A.L.K.E.R.

Scavengertresspasseradventurerlonerkillerexplorerrobberer. Ein Zungenbrecher? Stimmt. Naja, versuchen wir's mal der Reihe nach. Scavenger. Tresspasser. Adventurer. Loner. Killer. Explorer. Robberer. Kurz: S.T.A.L.K.E.R. Das, was passiert, wenn mit genug Phantasie gesegnete Entwickler von Computerspielen in ihrer Jugend zuviel Gebrüder Strugazky gelesen haben und viel von dem Tschernobyl-Unglück mitbekommen haben. Und zum "Picknick am Wegesrand" auch das darauf basierte Film von Andrei Tarkovsky gesehen haben. Alles in beliebiger Reiehnfolge, mit den Zutaten kann man es nicht falsch kochen.

Daraus geworden ist ein spielbares Stück Endzeit und eine Allegorie an das Leben, das ganze situiert in der mehr oder weniger detailgetreu modellierten 30-Km-"Zone of Alienation" um das Tschernobyl-Kraftwerk. Und wenn man nicht gerade dabei ist, sich von einer Horde mutierter Wildschweine zu retten, n Pack Söldner niederzumetzeln oder mit dem Wirt in der Stalker-Bar um Artefakte zu feilschen, wird man von seltsamen Gedanken heimgesucht.

Waren wir als Kinder nicht alle ein Bißchen Stalker? In irgendwelchen Industrieruinen oder Baustellen spielen, irgendwelche Autowracks oder Drainagerohre erkunden. Verbotenerweise, versteht sich. Und auch mal was mitnehmen als souvenir. Sei es die Radkappe vom 1962er Opel Rekord A oder eine unerklärliche Platine mit einem Keypad drauf von einem nahegelegenen verlassenen Fernheizwerk. Das S, T A und E sind schon drin. Loner? Ist das nicht jeder irgendwann mal im Leben. Der eine für länger, der andere nicht so. Robberer? Killer?

Ach, lassen wir es, bevor die Grenze zwischen realem und virtuellen ganz verschwindet. Daß ein Egoshooter einen plötzlich so an die Kindheit erinnert...alleine die Wehmut nach der für immer verlorenen Leichtigkeit der Kindheit ist genug, daß sich das graue Schleier der Endzeitstimmung übers Spiel legt. Man ist erwachsen und Leben wie Spielzeuge sind schon ganz andere als einst. Hier kommen wohl das K R gerade recht.

Und der Plot des Spiels scheint weiter das Leben nachzuäffen. Man bräuchte nur den Arbeitsalltag mit den Egoshooter-typischen Aufgaben zu ersetzen. Je weiter man kommt, desto gefährlicher werden die Gegner, die Gemetzel aber deswegen nicht weniger eintönig. Und das alle auf der Suche nach dem geheimnisvollen "Strelok", den man (laut Auftrag) kaltmachen soll. Gleichzeitig auch der Legende vom "Wunschgönner" nachjagend.  Um am Ende zu erfahren, daß Strelok in Wirklichkeit man selbst ist, der Wunschgönner eine hohle Illusion, echte Wünsche oder Träume mit noch mehr weiterkämpfen verbunden sind. Schade eigentlich. Wäre das nicht, gibt es in der "Zone" auch schön modellierte Natur, die geradezu zum genießen einlädt.

Was bleibt? Man hat es wohl selbst in der Hand. Und irgendwann wird es auch Zeit, den Rechner auszuschalten und in die echte Welt hinauszugehen. Dort nerven einen wenigstens keine Zombies, Söldner, Banditen oder mutierte Bestien, wenn man irgendeinen schönen Ort entdeckt hat und erkunden will. Höchstens der ungezogene Hund von den Nachbarn.

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