Gesehen. Gekotzt. Geht’s noch?

Wenn mir mal irgendein Extrem-Auswuchs der Tuningszene begegnet, denke ich oft, schlimmer geht es kaum. In der Regel kommt irgendwann der nächste rollende tiefer-lauter-breiter Straftatbestand, dessen Fahrer es ziemlich nötig hat, der ganzen Welt zu zeigen, wie geschmacksbefreit er ist. Naja, jedem seins.

Im Job habe ich täglich mit vielen  Menschen aus allen sozialen Schichten zu tun. Inklusive Vertreter der  Gattungen "gerade-mal-geschlechtsreifer Großstädter", "entwicklungsverzögerte Dorfjugend", "spätpubertierende(r) Mittvierziger(in)" und so ähnlich. Auffallend oft sind Vertreter dieser Gattungen in teure, aber geschmacklose Sachen von Ed Hardy gekleidet. Quasi das bekleidungstechnische Gegenstück zum Tuning. Der genauso berühmt-berüchtigte wie unsägliche "love kills slowly"-Motiv löst zum Glück nicht mehr so herftige Brechreizerscheinungen aus, wie als ich es zum ersten mal sah.  Schlimmer geht's halt immer.

Man kann nur vom Glück reden, daß sowohl solche Klamotten als auch Autotuning nicht billig sind, und somit für potentielle Täter ein gefährlicher Angrif auf die Geschmacksnerven ahnungsloser Mitmenschen die Einstiegsschwelle hoch genug liegt. Die Welt ist zwar grundsätzlich nicht in Ordnung, aber hier und da ist es nicht so schlimm wie befürchtet. Zumindest dachte ich so bis heute.

Die heutige Einkaufstour im Supermarkt nebenan belehrte mich eines besseren und tut immer noch die Schüssel Salat und die Mikrowellen-Lasagne in meinem Magen sehr stark beunruhigen. Dabei können weder die Lasagne noch der Salat was für, daß ich in der Autozubehör-Abteilung einen kleinen Regal mit der großen Aufschrift: "Ed Hardy Autozubehör" erspäht habe.

Ja, richtig. Ed Hardy Autozubehör. Zum Glück war weit genug, um nicht die Motive im Einzelnen zu erkennen und die Preise lesen zu können. Für ein Paar Sekunden verharrte ich und versuchte, das zu begreifen. Nach zweimal tief Luft holen war die Welt fast wieder in Ordnung. Auch wenn ich mich sehr gewundert habe, wie selbst Schwangere oder Eltern mit Kindern ohne jegliche Schutzmaßnahmen ganz ruhig am besagten Regal vorbeigegangen sind.

Nach Hause bin ich gegangen mit dem festen Vorsatz, mich nie wieder über porno-LED-Rückleuchten, extradicke Auspuff-Penisprothesen, ultrapotente Sackwoofer und extreme (geistige) Tieferlegung samt Unterhodenbeleuchtung zu beschweren. Im Vergleich zum soeben genannten Autozubehör kam mir das wie eine Kleinigkeit vor. Es geht also auch doch schlimmer als Extremtuning. Obwohl...nein, auf dem Gedanken sollte ich tunlichst nicht kommen. Was wird, wenn man das eine mit dem anderen kombiniert?

Ich glaube, die Lasagne und der Salat haben jetzt genug...

P.S. Lasagne und Salat haben's überlebt. Mein Magen auch.

3 responses to “Gesehen. Gekotzt. Geht’s noch?”

  1. Dani says:

    Tja, Tommy….das ist nur der Anfang.
    Wenn das Schule macht, gibts bald Hugo-Boss-Cardesign und so weiter und selbst mit merkwürdigen Klecksen zum Aufkleben wird Geld verdient. Immerhin leben wir im Zeitalter der Schranktatoos und Pril-Blumen zum selberbasteln.

    Also akzeptier doch einfach die Diktatur der sinnfreien Geschmacklosigkeiten. Die Ziegruppe sind nicht Du, nicht ich, sondern Organträger mit spiegelglatter Großhirnrinde.

    Freuen wir uns auf die Zukunft wenn sich unsere Gattung endlich von Homo sapiens sapiens in Homo Krawattensis, Homo Proletariensis, Homo Anektorensis, Homo Scheissegalensis und Konsorten aufgeteilt hat.

    Stay wondering, äh, smiling 🙂

  2. Porsche-Doc says:

    Da warst´e bestimmt geschickt,gelle?…
    Klasse ich les´deine Stories soooo gerne….bitte mehr davon….
    Gruß Timo

  3. Porsche-Doc says:

    ups….meinte natürlich geschockt….lol

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